Montag, 28. Juli 2014

Das andere Neuseeland - Erwartungen



EINGEWÖHNUNGSZEIT IST VORBEI

Seit gut einem Jahr leben wir in Neuseeland und ich möchte ein wenig berichten von dem nicht so bekannten Neuseeland. Den nicht ganz alltäglichen Dingen in meinen Augen. Das Eingewöhnen fällt mir diesmal unheimlich schwer. Die Kultur, Großstätte und Natur von Japan fehlt mir. Ungewöhnlich ist meine plötzliche Sehnsucht nach Deutschland. Was ich irgendwie amüsant finde und nicht erklären kann. Auch werde ich immer mehr typisch deutsch und rege mich über Dinge auf, die mich früher nicht interessiert haben. In Japan hat es mich nicht wirklich interessiert, ob die Häuser isoliert sind oder nicht, ich sah es als Tradition an und wollte daher nichts verändern. Doch hier in Neuseeland gehen mir die nicht isolierten Häuser auf die Nerven. Ich erwartete europäische Standards. Nun darin liegt auch schon mein Fehler. ERWARTUNGEN sollte man nicht haben, wenn man in ein anderes Land umzieht.

Der erste Eindruck von Neuseeland ist, dass es ein westliches Land basierend auf dem britischen System ist. Dies ist nur die Oberfläche und der Eindruck täuscht nicht, doch kratzt man ein wenig an der Oberfläche, kommt eine ganz andere Sicht der Dinge zum Vorschein. Zumindest aus meiner Sicht.




JUGENDFÖRDERUNG  - MEIN GROßER

Die Antarktika ist näher wie Australien. Allein dieser Gedanke deprimiert mich unendlich aber das bin ich und hier sind viele Leute unendlich glücklich, ganz besonders mein Großer. Der kann hier in den roaring 40ties in den Wolken rum sausen, mit nichts als Wind als Antrieb, was will man mehr als angehender Pilot?

Des weiteren ist etwas wirklich hervorragend: Das Schulprogramm das Kindern hilft bei der Auswahl ihres späteren Berufes. Von allen Seiten kommt Unterstützung, die Türen fliegen regelrecht auf und hinter jeden gibt es eine helfende Hand oder einen guten Ratschlag. Besonders erfahrene Piloten die in Rente gegangen sind geben ihre Ratschläge und unterrichten ohne Entgelt.

Faszinierend!

Mein Großer hat inzwischen an einem Art Praktikum für angehende Piloten teilgenommen, verschiedene Preise gewonnen und wurde zu zwei Lernprogrammen für angehende Piloten eingeladen, eines davon kostet allein 1,200 NZ$. Ausserdem hatte er im letzten Jahr an einem Jugendcamp für Segelfliegen teilgenommen, dieses wurde auch teilweise gesponsert oder subventioniert.

Wenn meine Söhne glücklich sind, bin ich glücklich :).


Mein Kleiner, ein unglaublich interessanter Stein zwischen den ganzen interessanten Fischen!


HANS DAMPF IN ALLEN GASSEN - MEIN KLEINER

Nun, der Lütte bedarf eines eigenen Artikels auf diesem Blog. Ein lebenslustiger Knabe der nichts aus lässt und Hans Dampf in allen Gassen ist. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, der sich seine Freunde genau aussucht und abwägt, ist mein Kleiner nicht so genau und fühlt sich überall pudelwohl. Sein Interesse am Leben ist ungebremst und auf vollen Touren, unaufhaltsam, mir geht als Mutter manchmal die Puste aus oder ich schreie das Haus zusammen, wenn der Hund mal wieder alleine spazieren geht und artig an der roten Ampel anhält ohne Herrchen und Frauchen in Sicht und irgend jemand sich erbarmt die Telefon Nr. auf dem Halsband anruft.

Selbst Streichung des Taschengeldes hilft nicht um diesen ausser Rand und Band geraten Teenager im Zaum zu halten.

Offenbar gibt es einen Nischenmarkt an Jungenschulen den mein Kleiner sofort erkannt und behoben hat. Kondome für einen Dollar fünfzig pro Stück zu verkaufen. Die Kunden?

Mama: Wer kauft denn Kondome? Die kann man doch im Laden kriegen.
Kleiner: Es gibt Jungen die sind zu schüchtern, Mama.
Mama: !?




AKT ZEICHNEN

Ein Hobby dachte ich, wird mir über meine momentane nicht vorhandene Begeisterung von Neuseeland hinweghelfen. Ich meldete mich also für eine Zeichen-Klasse in der Abendschule an.  Eigentlich hatte ich die Erwartung (!) viele Hausfrauen zu treffen. Was soll ich sagen, ich hatte vergessen das Kleingedruckte zu lesen und/oder dies falsch verstanden. Menschen sollten wir zeichnen und als ich in meiner ersten Unterrichts-Stunde in einer Jungenschule sass, schaute ich mich um und da waren genauso viele Männer wie Frauen, ungewöhnlich empfand ich dies. Nun, warum das so war stellte sich dann schnell raus, ich sass in einer Akt-Zeichen-Klasse und das fand ich dann heraus als eine alte Frau im Bademantel in unsere Klasse kam. Ich wusste erst gar nicht wo die hingehört und dachte, dass sie sich verlaufen hat aber nein, sie zog ihren Bademantel aus und sass dann direkt vor mir auf dem Tisch in ihrem Geburtsanzug und ich zeichnete die nächsten zwei Stunden ein 70-jähriges Nacktmodell.  


MEIN MANN

Es scheint als ob er wirklich zufrieden ist. Happy as a clown!

Ausserdem geht es in die zweite Runde der Arbeitsverhandlungen.


ESSEN IN NEUSEELAND

Griechisch
Damit haben wohl die meisten Probleme, zumindest den Gesprächen nach zu urteilen. Nun ja, die Geschmäcker sind verschieden. Z.B. sind wir in ein griechischen Restaurant zum Essen gegangen und es konnte meiner Meinung nach nicht schlimmer sein.  Ich hatte Gyros bestellt und erhielt blutiges Lammfleisch auf den Teller, Tsatziki schmeckte mehr nach Frühstücks-Joghurt ohne Zwiebeln und Knoblauch. Ouzo wurde warm serviert. Das Restaurant hat fast ausschließlich fünf Sterne Bewertung.

Hier bedarf es einiger Eingewöhnung und das Wichtigste für Kiwis ist, Lamm pinkisch zu servieren und es ist egal, ob es griechisch oder sonst was ist. Das Gleiche gilt für Ente, die muss auch pinkisch sein. Daher esse ich weder Lamm noch Ente in Neuseeland.

Pie
Überall gibt es pie und es gibt berühmte und weniger berühmte aber bisher habe ich noch keinen Pie gegessen, den ich wirklich mag. Der Teig ist mir zu dick und zu wenig Füllung. Ich halte mich daher aus der Bewertung heraus, da ich wohl kein Pie Liebhaber bin.

Japanisch
Es gibt tatsächlich ein Restaurant in Christchurch, dass sehr nahe an den japanischen Geschmack ran kommt. Doch dieses ist auf Rang 3 oder 4 on Trip Advisor. Offensichtlich mögen Kiwis diesen originalen Geschmack nicht so. Für mich ist das Restaurant 5 Stars. (Kenji)

Fox & Ferret
Das ist wohl mein Lieblings Lokal. Es ist ein typischer Pub aber bisher habe ich keine Enttäuschung mit dem Essen gehabt. Gut ich bin ein Salat Esser aber meine Jungs mögen es dort auch. Ausserdem gibt es Sport-Fernsehen.

Nun wen es wirklich interessiert, wo man gut in Christchurch essen kann und der einen ähnlichen Geschmack hat wie ich, der kann mich auf Trip Advisor unter akecheta finden.


RELIGION

Neuseeland ist sehr christlich und als ShinBuChrist bin ich ein wenig überrascht von stundenlangen Gottesdienst-Sendungen oder gar von einer Kirchensendung in dem ein junger, gut aussehender, Mitte 20, evtl. Teenage Priester wie ein Rockstar mit Mikrophone auf der Bühne predigt. Die Toleranz mit der ich Religion angehe finde ich hier nicht und das macht mich ein wenig unsicher. Ich habe das Gefühl, dass hier streng getrennt wird und sozialisieren richtet sich danach. Natürlich kann dies täuschen.

Ich kenne das von Singapur aber dort hat sich dies auf eine kleine Gruppe beschränkt und nicht auf das Fernsehen. Eine Freundin von mir, die ich auch auf Facebook habe und regelmäßig "Wunder"  postet hat mich mitgenommen.  Ich nenne es mal Rockstar-Kirche. Der Gottesdienst fand in einer riesigen Messehalle statt. Kinderbetreuung war organisiert und kostenlos. Drinnen sassen die Erwachsenen und lauschten den Worten der Priester bei verdunkelter Atmosphäre, ähnlich wie bei einer Präsentation, doch mit der Ausnahme, dass heisse Rockmusik immer wieder eingespielt wurde und das der oder die Priester selbst sangen. Ich sag Euch "out of this world".  Als dann die Episode mit der geheilten Frau, die im Rollstuhl sass, dachte ich damals, dass das nicht sein kann, irgendwo ist eine versteckte Kamera aber nein. Es war ein Wunder und meine liebe Freundin glaubte an alles was dort passierte. Ich meine, sie hatte mit mir zusammen chinesische Männer Modelle bewertet und wir haben uns gegenseitig Aufträge verschafft, ob nun eine kleine Filmrolle oder Panasonic Test Person. Was soll ich sagen? Sie war glücklich! Bodenständig und doch so einfach beeinflussbar.

Bisher haben wir noch keine Kirche besucht. Ich bin etwas irritiert zu welcher Konfession wir gehören. Baptist, Lutherisch, Protestant .... ?!  .... ich möchte nicht in einer Sekte landen. Die es hier übrigens auch ganz in der Nähe gibt: Gloriavale!


Falls ihr vpn habt, könnt ihr wahrscheinlich diese Sendung anschauen. Ein weiterer Weg um dies anzuschauen ist TOR Browser.

FREUNDE

Bisher habe ich keine Kiwi Freunde. Ich habe viele Expat Freunde und die sagten mir gleich am Anfang, dass Kiwis so alteingesessen sind und ihr eigenes Network haben, dass Expats kaum dazu kommen. Nun, ich habe die gleiche Erfahrung gemacht.

Die Freunde von meinem Mann sind ausschließlich Geschäftskontakte und meistens auch von außerhalb Neuseeland. Diese helfen aber in wirklich allen Situationen. Bemerkenswert loyal. Dies ähnelt der Situation in Singapore.

Mein Großer hat einen Freund und dies war auch in Japan der Fall. Mein Kleiner, wie bereits erwähnt, hat zu viele Freunde. 

XOX
Martine

Mittwoch, 2. Juli 2014

Origami - 1000 Papier Kraniche für Sadako




Origami ist die japanische Kunst Papier in schöne und gebräuchliche Formen zu falten. Eine wundervolle Beschäftigungsmethode für Kinder. Vor einiger Zeit habe ich über Furushiki geschrieben, eine abgewandelte Kunst mit Stoffen Geschenke schön zu verpacken. Das Falten und Legen und Binden findet sich in vielen Formen wieder wie beim Anlegen des Kimonos oder beim Falten eines Briefumschlages. Die Kunst des Faltens ist tief verwurzelt in der japanischen Etiquette. 

Geschichte
Die Geschichte des Origami falten geht zurück auf Zeremonien, die im alten Japan, in Schreinen und Gerichten vollzogen wurde. Zu dieser Zeit war Papier sehr teuer und nur der Adel konnte es sich leisten Papier zu falten. Später, in der Edo Periode wurde Origami zum Unterhalten und als Form von Kunst etabliert. Viel später lernten Kinder in der Schule Origami falten.

Heute
Einer der ersten Origami Figuren die ich lernte war der Kranich. Ich habe ein Video dazu auf youtube gestellt:




Eine traurige Geschichte: Sadako-San

Der Kranich ist wohl die bekannteste japanische Origami Figur. Es gibt eine Legende in der es heisst, jedem der 1000 Kraniche faltet wird ein Herzenswunsch erfüllt. Von dieser Legende hat auch Sadako-San gehört.

Sadako-San überlebte die Hiroshima Bombe als Kleinkind, da sie den Strahlungen ausgesetzt war erkrankte sie später an Leukämie und lag mit 12 Jahren im Krankenhaus auf der Kinder-Stadion im Sterben. Sie wünschte sich nicht sehnlicher als zu leben. Sie ist eine Hibakusha, so nannte man die Überlebenden der Hiroshima Bombe. Auch sie hörte von der Legende der 1000 gefalteten Kraniche und fing an Kraniche zu falten. Doch mit der Zeit verlor sie die Hoffnung, da die Kinder um sie herum starben. Sie änderte ihren Wunsch und faltete die 1000 Kraniche für den Weltfrieden und das Ende von Leiden! Dadurch wurde der Kranich ein Symbol für Frieden!

Es gibt eine zweite und damit leicht abgewandelte Form dieser Geschichte die besagt, dass Sadako-San 644 Kraniche falten konnte bevor sie starb und ihre Klassenkameraden falteten die restlichen Kraniche. Sie wurde mit einem Kranz aus 1000 Kranichen begraben um ihren Traum zu würdigen.

Da die Bemühung die Kraniche zu falten das Leben von Sadako-San nicht verlängerte, wurde ihr zu Ehren eine Granit Statur im Hiroshima Peace Park aufgestellt. Ein Mädchen, dass seine Arme weit ausgestreckt hat und einen Papier Kranich von ihren Fingerkuppen fliegen lässt. Jedes Jahr wird diese Statur mit 1000 Kränzen die aus 1000 Papier Kranichen gemacht werden, geehrt.

1000 Papier Kraniche heisst senbazuru in japanisch.

Leider habe ich kein Bild von Sadako-San. Auf Wikipedia könnt ihr Euch dies anschauen:


Dafür aber ein Bild von der Gedenkstätte des Kinder Friedens Denkmals in Hiroshima. Dies hat mein Sohn bei seinem letzten Japan Besuch im April 2014 gemacht.

Kinder Friedens Denkmal in Hiroshima
Hier eine Uhr die anzeigt wie viele Tage seit dem Abwurf der ersten Atom-Bombe vergangen sind und wie viele Tage seit dem letzten Atom-Test.



XOX

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